Wilhelm Sasnal gehört seit Jahren zu den meistbeachteten und einflussreichsten Künstlern in Europa. Geboren 1972 in Tarnów, Polen, studierte Sasnal ab 1992 zunächst Architektur an der Technischen Universität Krakau, bevor er ein Studium der Malerei an der Akademie der Bildenden Künste Krakau aufnahm und dort im Jahr 1999 seinen Abschluss machte. In dieser Zeit war Sasnal Mitbegründer der einflussreichen polnischen Malervereinigung Grupa Ładnie (Gruppe Hübsch).
Die Fachjury des Rubenspreises einigte sich auf Wilhelm Sasnal als neuen Preisträger mit der Begründung:
„Wilhelm Sasnal verbindet in seiner Malerei persönliche Momente seiner Lebenswelt mit Bildern kollektiver Erfahrung und Erinnerung zu einem ausdrucksstarken Kaleidoskop der Gegenwart. Bei ihm verschränken sich private, politische und geschichtliche Beobachtungen. In seinen Gemälden greift er dazu auf ausgewählte Motive der Kunstgeschichte, Medienbilder oder eigene Fotografien zurück. So wird sowohl der flüchtige Blick auf die eigene Alltagsumgebung zum Motiv als auch seine Exkursionen in ehemalige deutsche Konzentrationslager in Polen, in deren Nähe er seit seiner Kindheit bis heute lebt; ebenso malte er zuletzt nach aktuellen Bildvorlagen aus dem zerstörten Gazastreifen oder von Atomanlagen im Iran. Sowohl die analoge als auch die digitale Realität bespiegelt Sasnal in einer souveränen künstlerischen Autonomie. Formal bereichert er dergestalt die zeitgenössische Malerei um eine leger vorgetragene, gleichwohl komplexe und dichte Bildsprache, deren Syntax sich aus figurativen und abstrakten Elementen zusammensetzt.“
Seit 1957 geht der Rubenspreis alle fünf Jahre an einen in Europa lebenden Künstler oder eine Künstlerin für ihr Gesamtwerk mit Schwerpunkt Malerei und Grafik. Der renommierte Kunstpreis ist mit 25.000 Euro dotiert, verbunden mit einer Publikation und einer Ausstellung im Museum für Gegenwartskunst Siegen. Die Auszeichnung erinnert an den Maler Peter Paul Rubens, der in Siegen geboren wurde und der als Hauptvertreter der europäischen Barockmalerei jene künstlerischen Maßstäbe gesetzt hat, denen die Preis-Verleihung seit 1957 verpflichtet ist.
Zu den bisherigen Rubenspreisträgern der Stadt Siegen gehören: Hans Hartung (1957), Giorgio Morandi (1962), Francis Bacon (1967), Antoni Tàpies (1972), Fritz Winter (1977), Emil Schumacher (1982), Cy Twombly (1987), Rupprecht Geiger (1992), Lucian Freud (1997), Maria Lassnig (2002), Sigmar Polke (2007), Bridget Riley (2012), Niele Toroni (2017) und Miriam Cahn (2022).
Das Museum für Gegenwartskunst Siegen besitzt mit der Sammlung Lambrecht-Schadeberg wichtige und umfangreiche Werkgruppen aller Rubenspreisträger und Rubenspreisträgerinnen. Derzeit bietet die Sammlung mit über 300 Arbeiten einen guten Überblick über das Schaffen der Ausgezeichneten. Arbeiten von Wilhelm Sasnal werden diese Sammlung künftig ergänzen.