Wann

2. Juli 2026    
18:00 - 20:00

Wo

Pilecki-Institut
Pariser Platz 4A, 10117 Berlin
Karte nicht verfügbar

Anmeldung: https://forms.gle/KN2zavn2qTBqJcfp8

Im Zentrum steht die Frage, wie sich die Geschichte des östlichen Europas unter den Bedingungen gegenwärtiger politischer Umbrüche, veränderter Zugänge zu Archiven und einer zunehmend global vernetzten Wissenschaft neu denken lässt. Die Osteuropäische Geschichte befindet sich 2026 in einer Phase intensiver Neuorientierung: Begriffe, Methoden und institutionelle Strukturen werden gleichermaßen hinterfragt. Die Abschlussveranstaltung greift diese Dynamiken auf und diskutiert, welche theoretischen und empirischen Konsequenzen sich daraus für die weitere Forschung ergeben.

Ein besonderer Fokus liegt auf der Kritik an etablierten räumlichen und epistemischen Ordnungskategorien wie „Zentrum“ und „Peripherie“. Statt einer linearen, häufig westlich normierten Erzählung von Modernisierung werden „multiple Modernen“ in den Blick genommen – als historisch verflochtene, regionale und transregionale Entwicklungsprozesse. Diese Perspektive eröffnet neue Zugänge zu den Geschichten Ostmitteleuropas, des Baltikums, des Kaukasus und Zentralasiens und stellt zugleich die lange dominierende Vorstellung homogener Entwicklungspfade grundlegend infrage.

Die Diskussion reflektiert auch die veränderten Bedingungen der Forschungspraxis. Der eingeschränkte Zugang zu zentralen Archiven in Moskau und St. Petersburg hat die Osteuropäische Geschichtsschreibung gezwungen, ihre Quellenbasis zu erweitern und methodisch neu zu justieren. Regionale Archive, nichtstaatliche Überlieferungen und transnationale Quellen gewinnen dadurch an Bedeutung. Diese Verschiebung verändert nicht nur die empirische Grundlage der Forschung, sondern auch die Perspektiven auf historische Akteure, die stärker aus bislang marginalisierten Kontexten heraus sichtbar werden.