Panorama

50 Jahre Kulturpreis Schlesien: Jubiläumsverleihung in Hannover

Am 10. Oktober wurde zum 50. Mal der Kulturpreis Schlesien des Landes Niedersachsen verliehen. Im Jubiläumsjahr gab es insgesamt vier Preisträger.

Ein halbes Jahrhundert deutsch-polnischer Kulturbeziehungen: Am 10. Oktober 2026 hat das Land Niedersachsen im Schauspielhaus Hannover zum 50. Mal den Kulturpreis Schlesien des Landes Niedersachsen verliehen. Er ehrt Menschen und Institutionen aus Deutschland und Polen, die das kulturelle Erbe Schlesiens bewahren, vermitteln und weiterentwickeln und so zur Verständigung zwischen den Nachbarn beitragen.

Einen der beiden Hauptpreise erhielt der polnische Regisseur und Drehbuchautor Waldemar Krzystek. In seinen Filmen beschäftigt er sich immer wieder mit der Nachkriegsgeschichte Niederschlesiens. Mit seinen mehrfach preisgekrönten filmischen Werken mahnt Krzystek stets die Bedeutung von Frieden und Verständigung an. Der Kulturpreis Schlesien würdigt seinen herausragenden Beitrag zur historischen Sensibilisierung und Aufarbeitung des regionalen Kulturerbes.

Der zweite Hauptpreis ging an die Denkmalpflegerin und Kulturvermittlerin Margrit Kempgen. Sie hat die Sanierung zahlreicher Kirchen in Niederschlesien und Sachsen vorangetrieben und so bedeutende Baudenkmäler gerettet. Außerdem organisiert sie Studienfahrten, auf denen Teilnehmende aus beiden Ländern die gemeinsame Geschichte vor Ort kennenlernen.

Mit dem Sonderpreis zeichnete die Jury die „Fundacja Sztuki Współczesnej In Situ“ (Stiftung für zeitgenössische Kunst In Situ) aus. Diese hat ihren Sitz im niederschlesischen Kurort Sokołowsko, früher Görbersdorf. Der Kulturpreis Schlesien würdigt ihr Engagement für die Kulturverbreitung und die Belebung des regionalen wie auch internationalen Dialogs.

Eine Sonderauszeichnung für sein Lebenswerk erhielt der Osnabrücker Germanist und Kulturhistoriker Prof. Dr. Dr. Klaus Garber. Seit Jahrzehnten erforscht er die Literatur- und Kulturgeschichte Schlesiens in der Frühen Neuzeit, einer Epoche, in der die Region zu den geistigen Zentren des deutschsprachigen Raums gehörte.

Niedersachsen verleiht den Kulturpreis Schlesien seit 1977. Seine Entstehung hängt eng mit der Nachkriegszeit zusammen: Damals fanden mehr als 700.000 Vertriebene aus Schlesien in Niedersachsen eine neue Heimat. Was als Bekenntnis zum kulturellen Erbe der Heimatvertriebenen begann, ist heute ein Symbol der Partnerschaft. Die Verleihung findet abwechselnd in Niedersachsen und in der Wojewodschaft Niederschlesien statt, zuletzt 2025 in Wałbrzych (einst Waldenburg).

Die niedersächsische Innenministerin Daniela Behrens nannte das Jubiläum einen „echten Meilenstein für die deutsch-polnische Freundschaft“. Der Preis stehe für 50 Jahre gelebte kulturelle Beziehungen. Gerade angesichts des Krieges in der Ukraine sei er ein Zeichen für Frieden und Zusammenarbeit in Europa. Auch Jarosław Rabczenko, Mitglied des Vorstands der Wojewodschaft Niederschlesien, würdigte die Auszeichnung als wichtige Anerkennung für Künstlerinnen und Künstler, die mit Schlesien verbunden sind.

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