Panorama

Freundschaft verbindet!
Ein Jubiläumskonzert in Opole

Am 30. Juni 2026 wurde in Oppeln der Nachbarschaftsvertrag gefeiert.

Mit einem Konzert im Jan-Kochanowski-Theater in Oppeln (Opole) feierten am 30. Juni 2026 rund 500 Gäste der Sozial-Kulturellen Gesellschaft der Deutschen im Oppelner Schlesien (TSKN) den 35. Jahrestag der Unterzeichnung des deutsch-polnischen Vertrags über gute Nachbarschaft. Namhafte Persönlichkeiten aus Polen und Deutschland betonten die Bedeutung dieses Abkommens als Fundament der Versöhnung. Das Konzert wurde mit vier Hymnen eröffnet: der polnischen, der deutschen, der europäischen sowie der oberschlesischen. Unter den Gästen befanden sich Vertreter der deutschen Minderheit, Kommunalpolitiker sowie zahlreiche Ehrengäste aus Polen und Deutschland, u. a. der Sejm-Marschall Włodzimierz Czarzasty, die stellvertretende Bundestagspräsidentin Andrea Lindholz sowie der Bundestagsabgeordnete und Beauftragte der Bundesregierung für die Zusammenarbeit mit Polen, Knut Abraham. Der Vorsitzende der TSKN und des Verbandes der deutschen sozial-kulturellen Gesellschaften in Polen (VdG), Rafał Bartek, sowie die stellvertretende Marschallin der Woiwodschaft Opole, Zuzanna Donath-Kasiura, begrüßten die Gäste in zwei Sprachen. Sie betonten dabei, das Konzert mache die Verwurzelung der deutschen Kultur in der Region und in Polen sichtbar. Sie dankten zudem dem Sejm-Marschall Włodzimierz Czarzasty für die Übernahme der Schirmherrschaft über das Jubiläumskonzert.

In seiner Rede verwies Czarzasty auf die Bedeutung des Konzerts: „Ich habe die Schirmherrschaft über dieses Treffen und dieses Konzert ganz bewusst übernommen, weil ich der Meinung bin, es sei für Polen wichtig, es sei für Sie wichtig, es sei für Schlesien wichtig und es sei für uns alle, die wir hier versammelt sind, eine wichtige Angelegenheit.“ Weiter stellte er fest: „Deutschland ist für Polen ein außerordentlich wichtiger Partner und Freund in der Europäischen Union. Um diese Freundschaft muss man sich jeden Tag bemühen. Unsere Länder verbinden enge wirtschaftliche Beziehungen, eine gemeinsame Geschichte sowie die unmittelbare Nachbarschaft. Die Vergangenheit war nicht immer leicht, doch heute müssen wir vor allem an die Zukunft denken – daran, wie Europa in fünf oder zehn Jahren aussehen soll. Angesichts der russischen Bedrohung für die Ukraine und für die Sicherheit Europas gewinnt unsere Zusammenarbeit an besonderer Bedeutung.“

Andrea Lindholz bezeichnete den Nachbarschaftsvertrag als etwas weit mehr als ein Rechtsdokument und hob die Brückenfunktion der deutschen Minderheit in Polen hervor. Sie verwies auf seine Bedeutung im europäischen Kontext: „Er war und ist nach wie vor ein Versprechen. Ein Versprechen der Versöhnung. Ein Versprechen des gegenseitigen Respekts und einer gemeinsamen Zukunft in einem vereinten Europa.“

Nach dem Konzert sagte Rafał Bartek im Gespräch mit dialogonline.net: „Dialog ist etwas, das nie endet. Wir dürfen nicht glauben, dass es genügt, weil wir in den 1990er Jahren miteinander gesprochen haben – jede neue Generation braucht aufs Neue das Gespräch, den Dialog, die Begegnung. Das ist eine nie endende Aufgabe für die kommenden Generationen, für zukünftige Aktivisten, sei es der deutschen Minderheit, der polnischen Mehrheit, der Polen in Deutschland oder der Deutschen in Polen. Nur so entsteht wahre Freundschaft. Wir erleben derzeit eine Art Stagnation: Weil wir keine Grenzen mehr haben und uns frei bewegen können, erscheinen uns manche Dinge selbstverständlich, über die man vermeintlich nicht mehr sprechen muss. Dabei gab es in den 1990er Jahren, als der Vertrag entstand, weitaus mehr Menschen, die sich für Begegnungen und Gespräche engagierten. Heute überlassen wir dieses Feld manchmal anderen – und das ist gefährlich, denn Populisten auf beiden Seiten wollen keine Verständigung, sondern sie wollen durch Spaltung regieren. Die junge Generation kennt weder Grenzen noch den Kommunismus und glaubt, all dies sei ein für alle Mal gegeben. Doch dem ist nicht so. Deshalb ist es unsere Aufgabe als ältere, verantwortungsvollere Generation, die Geschichte weiterzugeben – und den jungen Menschen zu zeigen, dass auch sie selbst die Rolle von Botschaftern und Vermittlern zwischen den Völkern übernehmen können. Die Verfasser des Vertrags von 1991 waren erstaunlich weitsichtig. Unsere Aufgabe heute besteht darin, diesen Vertrag immer wieder mit Leben zu füllen – auch in den nächsten 35 Jahren gibt es noch viel zu tun. Denn von unserer Partnerschaft hängt so vieles ab: für Europa, für den Frieden, für die Zukunft unseres Kontinents.“

Das Jubiläumskonzert zeigte, wie die Idee des Vertrags über gute Nachbarschaft in der Woiwodschaft Oppeln umgesetzt werden kann. Zwei Blasorchester (das Blasorchester der DFK Groß Neukirch sowie das Blasorchester aus Zülz), fünf Chöre (Krappitzer Chor, Heimatklang, Chor Glogovia, Brosci Chorus sowie Kupskie Echo) sowie vier Solisten der deutschen Minderheit gestalteten gemeinsam das Programm des Abends – insgesamt mehr als hundert Künstler. Im Programm fanden sich Orchesterstücke, eigens für Chor und Blasorchester arrangierte Kompositionen sowie deutsche und polnische Lieder – vom „Mein kleiner grüner Kaktus“ bis zum Flügelhorn-Solo. Die Vielfalt der Auftritte zeigte, wie eng die deutsche und die polnische Kultur in Oberschlesien miteinander verwoben sind. Das Konzert machte deutlich: Der deutsch-polnische Vertrag über gute Nachbarschaft ist nicht nur Geschichte. Drei Jahrzehnte nach seiner Unterzeichnung lebt seine Idee nach wie vor dort weiter, wo Menschen beider Kulturen gemeinsam Verantwortung übernehmen – wie an diesem Abend in Oppeln.

DIALOG Online übernahm die mediale Schirmherrschaft über das Ereignis.

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