Presseschau

Polnische Presseschau vom 20.07.2026

PiS vor der Zerreißprobe: Kaczyński gegen Morawiecki. Neues Gesicht in der polnischen Politik: Kann Sobkowiak-Czarnecka Premier Tusk ersetzen? Darüber lesen wir in den polnischen Zeitungen.
Eine Zeitung liegt auf dem Tisch.
Polnische Presseschau © Lisa from Pexels /pexels

Kommt es zur Spaltung in der größten polnischen Oppositionspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS)? Der Konflikt zwischen dem Ex-Regierungschef Mateusz Morawiecki und dem Parteichef Jarosław Kaczyński eskaliert seit Monaten. Soll sich die rechtskonservative Partei weiter nach rechts bewegen, wie Kaczyński und sein ultrakatholischer Spitzenkandidat Przemysław Czarnek wollen? Oder soll die PiS eher um neue Wähler in der Mitte werben, um ihre gesellschaftliche Basis zu erweitern? Das will Morawiecki, der eine Vereinigung RozwójPlus (EntwicklungPlus) gegründet hat. Seine Kritiker werfen dem Ex-Premier vor, in der Zukunft eine neue Partei gründen zu wollen. Nun hat Kaczyński seinem Parteigenossen ein Ultimatum gestellt: Morawiecki soll bis Donnerstag erklären, ob er auf die Tätigkeit in seiner Vereinigung verzichtet. Knickt er ein, oder verlässt er die PiS?

„Alles, was Morawiecki macht, sieht wie der Aufbau einer eigenen Partei auf Kosten der PiS aus“, schreibt Andrzej Stankiewicz in der Wochenzeitung „Newsweek“ (30/2026, 20.–26.07.). Der Autor erinnert daran, dass Kaczyński bereits im April ein ähnliches Ultimatum an Morawiecki gestellt hatte. „Zum zweiten Mal kann der PiS-Chef nicht zurückweichen, sonst wird sein Ruf – er rechnet gnadenlos mit Konkurrenten ab – zusammenbrechen. Noch weniger kann Morawiecki nachgeben, weil Kaczyński ihm keinen Spielraum gelassen hat“, lesen wir in der neuesten Newsweek-Ausgabe.

„In dieser Woche kann die PiS aufhören, in ihrer bisherigen Gestalt zu existieren. Das wird die politische Landschaft grundlegend ändern. Kaczyński wird Morawiecki brutal angreifen, wie immer, wenn er mit »Verrätern« abrechnet. Von der Spaltung der PiS wird die extreme Rechte profitieren, die schon jetzt auf Kosten von Kaczyński wächst“, prophezeit Stankiewicz.

Die konservativ-rechte Wochenzeitung „Sieci“ (20.–26.07.2026) berichtet von der „seit Monaten andauernden Abschiedssaga“, die sich nun „dem Ende zuzubewegen scheint“. Das Ultimatum ist klar – „entweder Verzicht auf die Tätigkeit in der Vereinigung oder Rauswurf aus der Partei“ – meint Jacek Karnowski. Die Aktivitäten von Morawiecki führen logischerweise zur Gründung einer eigenen Partei.

Der optimale Termin für eine Parteigründung wäre aus Sicht von Morawiecki das Frühjahr 2027. Kaczyński weiß das und versucht deshalb, die endgültige Klärung des Falls noch in der Sommerzeit herbeizuführen, was den Start der neuen Gruppierung wesentlich erschweren soll.

„Die Spaltung der PiS wäre für die polnische Rechte eine echte Tragödie“, urteilt Karnowski. Seiner Meinung nach würde diese Situation Donald Tusk stärken. Doch die Fortsetzung der aktuellen »pathologischen« Situation ergibt keinen Sinn mehr – so „Sieci“.

„Gazeta Wyborcza“ berichtet am Montag (20.07.2026) vom letzten Versuch, den Konflikt doch noch mit einem Kompromiss zu lösen. Kaczyński und Morawiecki trafen sich hinter verschlossenen Türen am vergangenen Freitag (17.07.2026) zum „Gespräch der letzten Chance“. „Es gibt keine Wende. Das Gespräch hat die Krise nicht beendet“, erklärt „GW“. Laut der Zeitung wollen aber weder Kaczyński noch Morawiecki einen Zerfall der PiS, deshalb soll es in dieser Woche zu einem weiteren Treffen kommen.

Neues Gesicht in der polnischen Politik: Kann Sobkowiak-Czarnecka Premier Tusk ersetzen?

Magdalena Sobkowiak-Czarnecka ist der neue Star der polnischen Politik. Die 42-jährige Politikerin bekleidet zurzeit den Posten der Vize-Verteidigungsministerin und ist zugleich Regierungsbeauftragte für die Resilienz des Staates. Sie machte sich einen Namen als Beauftragte für das SAFE-Programm – Security Action for Europe. Das im Mai 2025 verabschiedete Finanzinstrument der Europäischen Union im Wert von 150 Milliarden Euro soll der Finanzierung von Rüstungsvorhaben dienen. Größter Nutznießer dieses Projekts ist mit fast 44 Milliarden Euro Polen. Von den Medien wird Sobkowiak-Czarnecka als mögliche Nachfolgerin von Premier Donald Tusk gehandelt.

„Ihre Karriere ist einmalig in der polnischen Politik, die Karrierefrauen entweder beseitigt oder diskreditiert, indem sie sich auf deren Persönlichkeit, Charakter oder angebliche Launen und Flausen konzentriert“, schreibt „Gazeta Wyborcza“ (18.–23.07.2026).

Die Vizeministerin hat es im von Männern dominierten Ressort nicht leicht. „Die Kollegen sagen einerseits, dass die Frau Ministerin okay ist, lächeln dabei aber dumm“, sagt General Roman Polko.

„Ich kenne mich vor allem in Finanzen, in der EU und in gutem Management aus. Das habe ich bei der Umsetzung des SAFE-Programms bewiesen. Wir haben den besten Antrag [auf SAFE-Finanzierung] in Europa gestellt. Als einziges Land haben wir durchgesetzt, dass die Mehrheit der Waffenkäufe auf dem eigenen Markt erfolgt“, zitiert „GW“ die Vizeministerin.

Sobkowiak-Czarnecka gehört zwar nicht der Polnischen Bauernpartei (PSL) an, soll aber bei der Parlamentswahl 2027 als Nummer eins auf deren Liste in Warschau stehen. „Für Tusk, dessen Regierung Imageprobleme hat, könnte ein neues Gesicht im Verteidigungsministerium zur Geheimwaffe vor der Parlamentswahl werden.“

„In Parlamentskreisen munkelt man, Sobkowiak-Czarnecka könnte als Regierungschefin vorgeschlagen werden. Solche Gerüchte sollte man aber mit Vorsicht behandeln“, schränkt die Zeitung ein.

Auch „Polityka“ (29/2026, 15.–21.07.) beschäftigt sich mit Sobkowiak-Czarnecka. Die Parlamentswahl 2027 wird für Premier Donald Tusk „der letzte Tanz“ sein. Er will an der Macht bleiben und sein Ziel umsetzen, das ihn zur Rückkehr in die polnische Innenpolitik bewegt hat – die endgültige Verhinderung einer Kaczyński-Regierung.

„Sobkowiak-Czarnecka als neues Gesicht ergibt Sinn“, zitiert „Polityka“ den Politologen Rafał Chwedoruk. „Die Wählerschaft der Koalicja Obywatelska und der Linken ist stark feministisch geprägt; Sobkowiak ist mit 42 Jahren in einem Alter, das verschiedene Generationen integrieren kann.“

„Im Wahlkampf 2027 wird es um die jüngsten Wähler gehen. Es soll vermieden werden, dass sich, wie bei der Präsidentschaftswahl 2025, große Wählergruppen gegen Tusk mobilisieren. Wenn die Regierung mit dem Gesicht einer Frau mittleren Alters assoziiert wird, die sich nicht einfach auf der Achse ideologischer Konflikte festmachen lässt, entstünde die Chance, ein solches Szenario zu vermeiden“, lesen wir in „Polityka“.

Menschen steigen in einen Zug ein.

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Thomas Dudek
Eine Zeitung liegt auf dem Tisch.

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