Mit dem Zug kostenlos durch Polen und Deutschland reisen und das gleich sieben Tage lang innerhalb eines Monats? Was sich fast ungläubig anhört, kann zum 35. Jahrestag des deutsch-polnischen Nachbarschaftsvertrages zumindest für je 30.000 junge Menschen zwischen 18 und 27 Jahren aus Deutschland und Polen Realität werden.
Möglich macht dies der der deutsch-polnische Freundschaftspass, der vom Bundesverkehrsministerium und dem polnischen Ministerium für Infrastruktur gefördert und von den nationalen Bahnen umgesetzt wird. Es soll jungen Menschen aus Polen und Deutschland ermöglichen, das Nachbarland unkompliziert zu erkunden.
Zugticket als Quizgewinn
Wer in den Besitz des Freundschaftspasses kommen möchte, muss lediglich einige wenige Voraussetzungen erfüllen. Die Reise muss zwischen dem 1. November 2026 und dem 31. Oktober 2027 absolviert werden und die Teilnehmer selbst dürfen am 15. September, dem Tag des Bewerbungsbeginns, nicht jünger als 18 Jahre und am 31. Oktober 2027 nicht älter als 27 sein. Zudem brauchen die Interessierten noch eine kleine Portion Glück. Denn die Teilnehmer werden nicht nur ausgelost, sondern müssen vorher auch ein kleines Quiz richtig beantworten. Auch wenn sich dieses in den beiden Ländern vom Umfang her unterscheidet. Während in Deutschland drei Fragen auf die Interessierten warten, sind es in Polen gleich neun, die auch noch in neun Minuten beantwortet werden müssen.

„Ich freue mich sehr, dass wir gemeinsam mit unseren polnischen Freunden so vielen jungen Menschen ermöglichen, das Nachbarland mit der Bahn zu entdecken und dabei neue Begegnungen zu machen und Erfahrungen zu sammeln“, sagt Bundesverkehrsminister Steffen Bilger über den Freundschaftspass. „Die Deutsch-Polnische Freundschaft lebt genau von diesem persönlichen Austausch. Der Freundschaftspass macht die enge Partnerschaft unserer Länder für die junge Generation konkret erlebbar und verbindet die Idee eines vereinten Europas mit nachhaltiger Mobilität“, so der Politiker weiter.
Reisen helfen Vorurteile abzubauen
Dass dahinter nicht nur Politikerfloskeln stecken, zeigen die Erfahrungen von Expert:innen, die sich täglich mit den deutsch-polnischen Beziehungen befassen. „Polen und Deutsche, die das Nachbarland mindestens einmal besucht haben, bilden sich häufiger eine Meinung über dessen Funktionsweise und seine Gesellschaft“, sagt Agnieszka Łada-Konefał, stellvertretende Direktorin des Deutschen Polen-Instituts, gegenüber DIALOG online. „In der Regel sind diese Meinungen auch positiver als bei Personen, die ihr Wissen über das jeweils andere Land ausschließlich aus den Medien oder anderen Quellen beziehen“, so Łada-Konefał weiter, die auch den jährlich erscheinenden Deutsch-Polnischen Barometer mitherausgibt: eine mittlerweile wichtige und unentbehrliche Studie für die deutsch-polnischen Beziehungen.
„Daher ist jede Form der Förderung direkter Kontakte zwischen Polen und Deutschen wertvoll“, sagt die Expertin mit Blick auf den deutsch-polnischen Freundschaftspass. Fügt aber auch hinzu: „Man sollte jedoch die bereits bestehenden Formate und Institutionen nicht vergessen, die beide Gesellschaften einander näherbringen, wie beispielsweise die Programme des Deutsch-Polnischen Jugendwerks – auch diese müssen unterstützt werden.“
Mehr Zugverbindungen nach Polen
Mit dem deutsch-polnischen Freundschaftspass wird jedoch nicht nur der 35. Jahrestag des deutsch-polnischen Nachbarschaftsvertrages gefeiert, sondern auch eine Zugverbindung, die sich in den vergangenen Jahren zum Symbol der deutsch-polnischen Nachbarschaft entwickelte: Der Berlin-Warschau-Express. Dieser feiert in diesem Jahr seinen 25. Geburtstag und zeigt, dass das Interesse an dem jeweiligen Nachbarland in Polen und Deutschland steigt. Während beim Start 2001 es nur drei Verbindungen je Richtung pro Tag gab, sind es mittlerweile bereits acht, die im Zwei-Stunden-Takt verkehren. Insgesamt reisten bisher 10 Millionen Passagiere mit dem Berlin-Warschau-Express. Zudem kamen in den vergangenen Jahren neue Verbindungen hinzu, wie zwischen Berlin und Gdynia oder Leipzig und Breslau.

Mit dem deutsch-polnischen Freundschaftspass dürften jedoch nicht nur weitere Passagiere hinzukommen, sondern, zumindest aus polnischer Sicht, auch für ein neues Programm sorgen. Denn als Vorbild für den deutsch-polnischen Freundschaftspass dient der deutsch-französische Freundschaftspass von 2023. „Die Idee hat sich sehr gut bewährt“, erklärte Dariusz Klimczak, polnischer Minister für Infrastruktur, bereits im Sommer während der Bekanntgabe des deutsch-polnischen Projekts und ließ durchblicken, dass man an einer Fortsetzung interessiert wäre. Dann jedoch ohne Deutschland, sondern mit Frankreich.
Deutsche Interessierte können sich hier für den Freundschaftspass bewerben.
Interessierte aus Polen wiederum hier.