Das Projekt wird von der Europa-Universität Viadrina (Frankfurt an der Oder) und der Adam-Mickiewicz-Universität (Posen) mit Unterstützung der Deutsch-Polnischen Stiftung für Wissenschaft (DSWP) initiiert und durchgeführt (2026 bis 2028). Die Projektleiterin, Dr. Susann Worschech, ist gleichzeitig wissenschaftliche Koordinatorin des Kompetenzverbundes Interdisziplinäre Ukraine-Studien. Ziel des zweijährigen Projekts ist es, zu untersuchen, wie Russlands Krieg gegen die Ukraine seit 2022 die Paradiplomatie und die „urbane Außenpolitik“ in Deutschland, Polen und der Ukraine beeinflusst hat. Analysiert werden die Auswirkungen dieser Entwicklungen auf außenpolitische und Kooperationsrahmen, auf innerstaatliche und zwischenstaatliche Konflikte sowie auf die Prozesse der europäischen Integration. Das Projekt konzentriert sich nicht nur auf die Rolle von Kommunen, Städten und der lokalen Zivilgesellschaft als diplomatische Akteure, sondern auch auf die damit verbundenen sozialen Spannungen und europäischen Herausforderungen im Kontext einer zunehmend fragmentierten geopolitischen Landschaft.
Die Rolle von Städten und Gemeinden in der internationalen Diplomatie – der sogenannten Paradiplomatie – hat in den letzten Jahrzehnten deutlich zugenommen. Während die traditionelle Außenpolitik weiterhin primär in der Hand nationaler Regierungen liegt, hat Russlands umfassender Krieg gegen die Ukraine seit 2022 die aktive Beteiligung von Städten auf der internationalen Bühne offengelegt. Dieser „epochale Wandel“ hat in Deutschland, Polen und der Ukraine neue Strukturen und ein neues Verständnis kommunaler Außenpolitik hervorgebracht.
Städte spielen heute eine wichtige Rolle bei der Förderung internationaler Beziehungen und des Dialogs auf subnationaler Ebene. In Deutschland haben viele Städte die Zusammenarbeit mit ihren Partnern in Polen und der Ukraine intensiviert, indem sie humanitäre Hilfe organisierten und sich gegen die russische Aggression aussprachen. Polnische Städte haben ihre Außenbeziehungen neu ausgerichtet, indem sie ukrainische Kommunen unterstützen. Gleichzeitig bemühen sich ukrainische Städte – im Zentrum des Konflikts gelegen – mit Hilfe westlicher Partner um ein Gleichgewicht zwischen Verteidigung, Wiederaufbau und internationaler Zusammenarbeit. Die neue geopolitische Lage hat die Paradiplomatie in allen drei Ländern grundlegend verändert. Städte agieren zunehmend als Vermittler und Brückenbauer, während Konflikte und Migration die städtischen Beziehungen stärker prägen als zuvor. Gleichzeitig kann die Intensivierung von Partnerschaften auch Spannungen hervorrufen, wenn lokale und nationale Strategien auseinanderlaufen.
Das Projekt wird seit Anfang 2026 für einen Zeitraum von zwei Jahren von der Deutsch-Polnischen Wissenschaftsstiftung finanziert. Das Vorhaben wurde als eines von drei Projekten im Rahmen des Programms „Epochaler Wandel? Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine und seine Auswirkungen auf Polen und Deutschland“ ausgewählt. Über 30 deutsch-polnische Forschungsprojekte hatten sich um eine Förderung beworben.
https://www.kiu.europa-uni.de/en/research/externally-funded-projects/paradiplomacy/index.html