Panorama

Das DHM wird zu deutschen Besatzungsverbrechen forschen

Das Deutsche Historische Museum erhält Förderung für Vermittlungsprojekt zu deutschen Besatzungsverbrechen in Europa während des Zweiten Weltkrieges.

Im Vermittlungsprojekt „Reverse Shot. Bilder deutscher Verbrechen in Europa“ wird das Deutsche Historische Museum (DHM) gemeinsam mit jungen Erwachsenen eine digitale Webanwendung zu Fotografien deutscher Verbrechen im Zweiten Weltkrieg entwickeln. Die deutsch-englische Anwendung soll über einen Zeitraum von knapp zwei Jahren entstehen und einen transnationalen Blick auf die deutsche Besatzungsherrschaft eröffnen. Sie macht deutlich, dass nationalsozialistische Verbrechen große Teile Europas erfassten.

Täterfotografien prägen bis heute die Wahrnehmung der deutschen Verbrechen im Zweiten Weltkrieg. Zugleich verändern künstliche Intelligenz und digital manipulierte Bilder den Umgang mit fotografischen Quellen grundlegend. Vor diesem Hintergrund wird die Webanwendung während der deutschen Besatzung entstandene Fotografien kritisch analysieren und ihnen die Perspektiven der Opfer gegenüberstellen. Raphael Gross, Präsident der Stiftung Deutsches Historisches Museum, sagte: „Die Erinnerung an die NS-Verbrechen in Europa ist bis heute stark von Täterfotografien geprägt. Mit ‚Reverse Shot‘ wollen wir diesen Blick umkehren und zeigen, was diese Bilder ausblenden. Zugleich eröffnen wir eine europäische Perspektive auf die deutsche Okkupation und machen Erfahrungen sichtbar, die in der visuellen Überlieferung oft fehlen. Angesichts der aktuellen digitalen Herausforderungen wird die Fähigkeit, historische Fotografien kritisch zu lesen, zu einer zentralen demokratischen Kompetenz.“

Das Projekt wird vom DHM und dem dort angesiedelten Dokumentationszentrum „Zweiter Weltkrieg und deutsche Besatzung in Europa“ (ZWBE) durchgeführt. Ausgangspunkt ist der Bestand des Propaganda-Kompanie-Fotografen Gerhard Gronefeld in der Sammlung des Museums. Anhand konkreter Beispiele aus West- und Osteuropa werden zentrale Aspekte der deutschen Besatzungsherrschaft vermittelt – vom Besatzungsalltag über Zwangsarbeit und „Partisanenbekämpfung“ bis hin zu Vernichtungskrieg und Völkermord. Die Webanwendung soll die Fähigkeit fördern, solche Bilder kritisch zu lesen, ihre Entstehungskontexte zu hinterfragen und Leerstellen sichtbar zu machen.

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der partizipativen Entwicklung der Anwendung. Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe II sowie Studierende beteiligen sich in Workshops und Case Studies an der Konzeption und Evaluierung. Ein wichtiger Partner ist das Historische Seminar der Universität Leipzig, wo Raphael Gross als Lehrbeauftragter ein projektbegleitendes Seminar anbieten wird.

Das Projekt wird aus Mitteln des Bundesministeriums der Finanzen (BMF) gefördert und im Rahmen des Förderprogramms Bildungsagenda NS-Unrecht von der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (EVZ) umgesetzt.

https://www.dhm.de/

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