Am 1. September fand am provisorischen Polen-Denkmal in Berlin die Gedenkveranstaltung zum 87. Jahrestag des deutschen Überfalls auf Polen statt, mit dem der Zweite Weltkrieg begann. Die Veranstaltung auf dem Gelände der ehemaligen Kroll-Oper wird seit mehreren Jahren von dem Deutschen Polen-Institut in Darmstadt und der Stabsstelle „Deutsch-Polnisches Haus“ bei der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas organisiert.
„Die Erinnerung an das unermessliche Leid, das Nazi-Deutschland über Polen und Europa gebracht hat, bleibt eine dauerhafte Verantwortung“ erklärte Kai Wegner (CDU), Regierender Bürgermeister von Berlin, in seiner Rede.
„Der 1. September 1939 gehört zu den tragischen Daten der Weltgeschichte. Der an dem Tag entfesselte Weltkrieg kostete das Leben von Millionen von Menschen, hinterließ Leiden und Ruinen in vielen Ländern. Polen fiel zum ersten Opfer der deutschen Aggression“, sagte Jan Tombiński, Geschäftsträger der Republik Polen in Deutschland. „Heute gedenken wir der Opfer des Krieges und bestreben uns, den Frieden als Verbündete zu bewahren“, so der Diplomat weiter.
Bereits im Vorfeld der Veranstaltung erklärte Gunther Krichbaum, Staatsminister für Europa im Auswärtigen Amt: „An diesem Ort, an dem 1939 der Überfall Deutschlands auf Polen verkündet wurde, gedenken wir heute des Schicksals aller Polinnen und Polen, die unter der NS-Gewaltherrschaft ihr Leben verloren“.
Betont wurden jedoch nicht nur das vergangene Leid, sondern auch die heutige Zusammenarbeit und Versöhnung. „Ich würde mir wünschen, was den 1. September angeht, dass dieses Datum noch stärker im deutschen Bewusstsein ist als der Punkt, der Zeitpunkt, an dem unser Land das Nachbarland auf so brutale Art und Weise überfallen hat“ erklärte Knut Abraham, Koordinator der Bundesregierung für die Zusammenarbeit mit Polen, am Rande der Veranstaltung gegenüber DIALOG ONLINE. „Gleichzeitig möchte und will ich, dass es gesehen wird, was wir in der Zwischenzeit erreicht haben. Dass es ein Wunder ist, welche positiven Schritte wir seitdem gegangen sind und dass es nicht negiert wird, sondern uns alle bemühen, auf dem Weg der Versöhnung und Verständigung weiterzugehen“, fügte er hinzu.
Eine zentrale Rolle dabei spielt das Mahnmal, welches das bisherige Provisorium ersetzen wird. „Vielleicht werden wir schon im nächsten Jahr ein finales Polen-Denkmal haben, vielleicht im übernächsten Jahr. Das liegt natürlich ein bisschen daran, wie kompliziert und komplex so ein Denkmal sein wird. Aber der Prozess ist nicht mehr aufzuhalten. Wir werden bald an einem richtigen Denkmal diesen wichtigen Tag begehen“, betonte Peter Oliver Loew, Direktor des Deutschen Polen-Instituts in Darmstadt. Im Dezember entscheidet ein Preisgericht über das endgültige Denkmal.
Im Anschluss an die Gedenkveranstaltung fanden im Auditorium der Topographie des Terrors Vorträge und eine Podiumsdiskussion über Massenverbrechen statt, die zwischen dem Herbst 1939 und Frühjahr 1940 in den nördlichen und westlichen Gebieten des besetzten Polens begangen wurden. Bei diesen sind von Soldaten der Wehrmacht sowie Einsatzgruppen der SS und Polizei über 10.000 Menschen ermordet worden.